AML-BFM Studiengruppe

Akute myeloische Leukämien bei Kindern und Jugendlichen

In Deutschland erkranken pro Jahr ca. 130 Kinder an einer akuten myeloischen Leukämie (AML). Eine Heilung der Kinder ist nur mit intensiver Chemotherapie möglich. In Deutschland werden seit den 70er Jahren Therapieoptimierungsstudien (Therapieoptimierungsstudien kinderkrebsinfo.de) für Leukämien im Kindesalter durchgeführt. Damit soll eine Verbesserung der Überlebenschancen bei gleichzeitiger Minderung der Nebenwirkungen oder Komplikationen erreicht werden. In Deutschland, Österreich, Tschechien und im deutschsprachigen Teil der Schweiz werden fast alle Kinder mit einer AML nach den AML-BFM Therapieoptimierungsstudien behandelt. Seit 1978 haben sich die Überlebensraten deutlich verbessert, jedoch erleiden noch immer mehr als 30% der Kinder einen Rückfall der Erkrankung.

Leukämiezellen

Um das Ziel zu erreichen, die Heilungsraten bei den Leukämien zu erhöhen, ist eine intensive Forschung über die Ursachen der Leukämien, über neue Therapiemöglichkeiten sowie auch über weitere Optimierungsmöglichkeiten der vorhandenen Therapien erforderlich.

AML-BFM Studien

In der AML-BFM Studiengruppe kooperieren ca. 60 Kinderkliniken in Deutschland, der Schweiz, Österreich und der Tschechischen Republik. Innerhalb der ersten fünf AML-BFM Studien, also von 1978 bis 2004 wurden insgesamt 2900 Kinder und Jugendliche mit AML behandelt. Die erste kooperative AML-BFM Studie (AML-BFM 78) stellte einen Therapieplan auf, der eine intensive Chemotherapie mit sieben Medikamenten, eine Bestrahlung des zentralen Nervensystems (ZNS) und eine zweijährige Dauertherapie beinhaltete, wobei ein Langzeitüberleben (overall survival (OS)) von 40% erreicht werden konnte. Eine Intensivierung der Induktion führte in der Folgestudie AML-BFM 83 zu einer bedeutsamen Verbesserung des disease-free Überlebens (DFS). Das Blutungsrisiko – besonders bei Kindern mit Hyperleukozytose – erforderte auch, ein stärkeres Augenmerk auf die Supportivmaßnahmen zu richten. Mit Studie AML-BFM 87 konnte der Nutzen der ZNS-Bestrahlung bei der Verhütung von ZNS- bzw. systemischen Rezidiven nachgewiesen werden. Die Einführung einer Induktion mit Idarubicin und einem HAM-Intensivierungsblock verbesserte in den Studien AML-BFM 93 und 98 das 5-Jahresüberleben noch einmal erheblich (62%±3%). Es zeigte sich, dass eine Stammzelltransplantation (SZT) wie sie bei sogenannten Hochrisikopatienten mit einem HLA-identischen verwandten Spender durchgeführt wurden, im Vergleich zu einer alleinigen Chemotherapie keine bedeutsamen Vorteile für die Patienten bewirkte. Trotz der Therapieintensivierung von Studie zu Studie nahm die therapiebedingte Todesrate von Studie zu Studie ab – besonders während der Induktionsphase.

Aktuell können mehr als 65% aller Kinder und Jugendlicher mit einer AML in Deutschland geheilt werden.

Zukünftige Ziele der kooperativen AML-BFM Studien sind neben der weiteren Verbesserung der Überlebenschancen die Reduktion der therapiebedingten Langzeitfolgen (àKardiotoxizitäten) durch Gabe von Medikamenten mit geringerer kardiotoxischer Wirkung und die individualisierte Therapieanpassung entsprechend der prognostischen Faktoren für jeden Patienten. Dieses wird gezieltere Therapieoptionen in Abhängigkeit der biologischen Eigenschaften der Leukämien einschließen.

Eine Vereinheitlichung der Therapiekonzepte und der dreißigjährige intensive nationale und internationale Erfahrungsaustausch haben das Überleben von Kindern und Jugendlichen mit akuter myeloischer Leukämie erheblich verbessert. Dennoch ist es auch weiterhin notwendig, durch Kooperation in Behandlung und Forschung mehr Einblick in die Entstehung und Behandlung von Leukämien zu gewinnen, um auf diese schwere Erkrankung mit adäquaten Therapieoptionen reagieren zu können bzw. zukünftig vielleicht deren Entstehung verhindern zu können.

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